Mein ganz persönlicher Heilungsweg

Brief an eine Freundin (2022)

Seit Februar 2020 durfte ich lernen, wie es ist, von heute auf morgen sehr krank zu werden und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Ich war in dieser Zeit zweimal dem Tod näher als dem Leben, das hat mich sehr geprägt und auch verändert. Rückblickend bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung, hat sie mir doch mit aller Deutlichkeit gezeigt, worauf es im Leben ankommt: Allein wahre Liebe, authentische Herzensverbindungen und echte Gefühle sind das, was am Ende zählt und auch bleibt. Gesundheit entsteht immer von innen (emotionale und mentale Ebene) nach außen (körperliche Ebene). Der Körper bzw. eine Krankheit dient lediglich als Sprachrohr der Seele.

In dieser Zeit, mit ungezählten schmerzhaften und tränenreichen Momenten, habe ich mich ganz neu ausgerichtet und von Grund auf neu gelernt, mir selbst fühlend zu begegnen und mit dem natürlichen Fluss des Lebens zu gehen. Inzwischen habe ich die Haltung entwickelt, dass es darum geht, das, was mir in meinem Leben an Erfahrungen geschenkt wird, anzunehmen, anstatt dagegen anzukämpfen. Alles dient mir, meiner Entwicklung und meinem inneren Wachstum. Diese Akzeptanz bzw. Hingabe hat mir – aus meiner ganz persönlichen Sicht – das Leben gerettet.

Das, was - genau in diesem Moment - da ist, lieben zu lernen, ist wahrlich nicht immer leicht. Ich hatte in den vielen Monaten, in denen ich krank war, während all der vielen Infusionen und sonstigen Therapien, sehr viel Zeit, mir selbst auf eine ganz neue – ehrliche und authentische – Art und Weise zu begegnen. Das Leben hat mich auf den Menschen zurückgeworfen, der am wichtigsten in meinem Leben ist – nämlich auf mich selbst. Was bleibt, wenn alles im außen, was mir scheinbar Sicherheit gibt, auf einmal wegfällt?

Die Entwicklung einer gesunden Selbstliebe bzw. Selbstfürsorge sowie Gefühle wieder zuzulassen und zu fühlen, anstatt sie zu vermeiden oder zu verdrängen, waren die wichtigsten Schlüssel in dieser Zeit, um nun – nach über 2 Jahren – wieder körperlich, mental und emotional gesund zu werden. Die Heilung dauert noch an. Es gibt noch ein wenig Luft nach oben, aber ich bin für die kommende Zeit sehr zuversichtlich und optimistisch, dass sich dieser lange Transformations- und Heilungsprozess nun abrundet und einen glücklichen Abschluss findet.

Abschließend kann ich dazu sagen, dass es die schwerste Zeit meines Lebens war, aber gleichzeitig – im Rückblick – auch die wertvollsten Jahre. So unendlich viel Lernen, Erkennen, Bewusstwerdung und Heilung haben stattgefunden und daher möchte ich diese sehr herausfordernde Grenzerfahrung nicht missen. Ich bin sogar dankbar dafür, denn nur dadurch habe ich mich auf den – nicht immer einfachen – Weg begeben, wieder fühlen zu lernen und mich mit mir und meinem Herzen wieder zu verbinden. Der Weg vom Kopf zum Herzen war sehr lehrreich, herausfordernd, lebensverändernd und vor allem heilsam für mich.